Produzentenhaftung: Schema und Fall
In diesem Video schauen wir uns einen Fall zur Produzentenhaftung an und Du lernst die vier Produzentenpflichten (Konstruktionsfehler, Fabrikationsfehler, Instruktionsfehler und Produktbeobachtungsfehler) kennen. Klick jetzt auf das Video oder lass Dir die Produzentenhaftung in Textform erklären, indem Du runterscrollst.
Schalte alle Videos, Fälle und den Klausurenkurs frei
Mit Legalexo bekommst Du 500+ Erklärvideos und Kurzskripte zu allen klausurrelevanten Themen.
Kompakt. Verständlich. Auf den Punkt.
Dazu kommen 65 echte Altklausur-Fälle und ein Klausurenkurs mit individuellem Videofeedback – damit Du nicht nur lernst, sondern weißt, wie Du Punkte holst.
Mehr Klarheit. Mehr Sicherheit. Weniger Stress.
Jetzt anmeldenUnterschied Produzentenhaftung vs. Produkthaftung
Wenn ein Produkt einen Schaden verursacht, dann musst Du immer an zwei Anspruchsgrundlagen denken: An die Produkthaftung nach § 1 ProdHaftG und an die Produzentenhaftung nach § 823 Absatz 1 BGB. In einer Klausur prüfst Du § 1 ProdHaftG immer vor der Produzentenhaftung, weil § 1 ProdHaftG eine Norm aus der Gefährdungshaftung ist.
Die Unterschiede zwischen Produkthaftung und Produzentenhaftung sind also folgende: Die Produkthaftung ist in einem Spezialgesetz (Produkthaftungsgesetz) geregelt, während die Produzentenhaftung direkt aus § 823 I BGB hergeleitet wird. Auch ist bei der Produkthaftung das Verschulden des Schädigers irrelevant, weil das Produkthaftungsgesetz der Gefährdungshaftung zuzuordnen ist. Bei der Produzentenhaftung wiederum muss ein Verschulden des Schädigers vorliegen. Es kommt aber zu einer Beweislastumkehr. Dazu weiter unten mehr.
Fall zur Produzentenhaftung
Fall Produzentenhaftung: Landwirt L hält Schweine in Bio-Haltung. Damit seine Schweine gesund bleiben, lässt er sie mit einem Impfstoff gegen Schweinekrankheiten impfen. Dieser Impfstoff wurde von der B-GmbH hergestellt. Unglücklicherweise war der Impfstoff während der Produktion durch Bakterien verunreinigt worden. Alle Schweine, die mit dem Impfstoff geimpft wurden, sterben. L erleidet einen Schaden in Höhe von 500€.
Landwirt L verlangt von der B-GmbH Schadensersatz aus Deliktsrecht. Zu Recht?
Die genaue Lösung lernst Du oben im Erklärvideo. Wir beschränken uns dabei auf einen Anspruch aus § 823 Absatz 1 BGB i.V.m. den Grundsätzen der Produzentenhaftung. Bei der Produzentenhaftung prüfst Du ganz normal das Schema von § 823 Abs. 1 BGB, nur mit zwei Besonderheiten. Und schon hast Du das Schema zur Produzentenhaftung. Die Besonderheiten sind beim Verletzerverhalten und dem Verschulden.
Produzentenhaftung Schema
Das Schema zur Produzentenhaftung sieht dementsprechend wie folgt aus:
Kostenloses E-Book
Hol Dir jetzt die ultimativen Tipps, um Deinen Lernerfolg zu maximieren!
Gib jetzt Deine E-Mail-Adresse an, um kostenlos fünf Lerntechniken zu erhalten, die Dir ganz unkompliziert das Studium leichter machen. Keine Verpflichtungen!
Durch Absenden Deiner E-Mail-Adresse erklärst Du Dich bereit, zukünftig E-Mails von Legalexo zu erhalten. Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.
Besonderheit 1: Die Produzentenpflichten
Wie Du siehst, musst Du beim Schema zur Produzentenhaftung nur zwei Besonderheiten kennen: Zum einen die Verkehrssicherungspflichten des Produzenten und zum anderen die Beweislastumkehr bei der Produzentenhaftung.
Ganz allgemein hat der Hersteller eines Produktes folgende Pflicht: Der Hersteller eines Produktes alle erforderlichen und zumutbaren Vorkehrungen treffen, um Schädigungen durch die hergestellte Sache zu vermeiden.
Diese allgemeine Definition konkretisiert man durch 4 Fallgruppen: Es gibt den Konstruktionsfehler, den Fabrikationsfehler, den Instruktionsfehler und den Produktbeobachtungsfehler.
Definition Konstruktionsfehler
Ein Konstruktionsfehler liegt immer dann vor, wenn das Produkt schon nach seiner Konzeption nicht den berechtigten Sicherheitserwartungen eines durchschnittlichen Verbrauchers entspricht. Es geht also darum, dass bereits der Bauplan des Produktes unsicher ist. Das liegt ganz häufig daran, dass entweder die Bauweise des Produktes fehleranfällig ist oder das falsche Material verwendet wird.
Beispiel.: Du willst mehr Sportmachen und kaufst Dir eine Hantel, an der man so verschiedene Gewichtsscheiben befestigen kann. Du machst direkt alle drauf, dann bricht die Hantelstange und die Gewichte fallen dir auf den Fuß. Die Hantelstange bricht, weil die aus einem Material hergestellt worden ist, dass diese Gewichte nicht aushalten kann. Das ist ein Fehler in der Entwicklung, also ein Konstruktionsfehler. Statt Konstruktionsfehler spricht man oft auch von der Konstruktionspflicht sagen.
Definition Fabrikationsfehler
Ein Fabrikationsfehler liegt immer dann vor, wenn bei der Herstellung einzelner Stücke eine planwidrige Abweichung, von der bei der Konzeption zugrunde gelegten vereinbarte Beschaffenheit vorliegt.
Das bedeutet: Mit dem Bauplan ist alles in Ordnung. Die Produktdesigner in der Firma haben alles richtig gemacht. Aber die Arbeiter oder Roboter in der Fabrik, die das Ding zusammenbauen, die haben was falsch gemacht. Und deshalb weicht das Produkt am Ende von der geplanten Beschaffenheit ab.
Beispiel.: Du kaufst dir eine Hängematte, hängst die an einen Baum, legst dich rein. Und Zack reißt die Hängematte. Und die ist deshalb gerissen, weil die Maschine in der Hängemattenfabrik an einem Tag falsch programmiert war und deshalb hat die den Stoff falsch zusammengenäht. Statt Fabrikationsfehler kann man auch Fabrikationspflicht sagen.
Definition Instruktionsfehler
Ein Instruktionsfehler liegt vor, wenn der Hersteller die Benutzer nicht ordnungsgemäß über Risiken beim bestimmungsgemäßen Gebrauch und naheliegendem Fehlgebrauch hinweist. Statt Instruktionsfehler spricht man oft auch von einer Instruktionspflicht.
Beispiel.: Bedienungsanleitungen mit Warnhinweisen.
Definition Produktbeobachtungsfehler
Die Produktbeobachtungspflicht sagt: Der Hersteller hat darauf zu achten, ob sich bei der Verwendung des Produktes Risiken zeigen, die Warnungen oder einen Rückruf des Produktes erforderlich machen.
Frage: Welche Pflicht verletzt die B-GmbH in dem Fall mit dem Schweine-Impfstoff? Finde es heraus, indem Du Dir das Video oben anschaust!
Besonderheit 2: Beweislastumkehr
Die zweite Besonderheit bei der Produzentenhaftung ist die Beweislastumkehr. Grundsätzlich trägt der Geschädigte die Beweislast. Er muss beweisen, dass ein Verschulden des Schädigers vorliegt. In der Regel kann der Geschädigte das aber nicht beweisen, weil er keinen Einblick in die Produktionsprozesse des Produzenten hat. Damit der Anspruch nicht völlig leerläuft, kommt es zu einer Beweislastumkehr: Der Schädiger muss nun beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft. Aber Achtung: Die Beweislastumkehr gilt nicht für die Instruktionspflicht. Denn bei der Instruktionspflicht kann der Geschädigte ein Verschulden des Schädigers wieder einfach beweisen, so dass es einer Beweislastumkehr nicht bedarf.
Zusammenfassung Produzentenhaftung
Die Produzentenhaftung ist nichts anderes als ein Anspruch aus § 823 Absatz 1 BGB mit zwei Besonderheiten. Besonderheit 1: Das Verletzerverhalten ist immer nur eine mittelbare Verletzungshandlung. Deshalb muss der Produzent eine der 4 Verkehrssicherungspflichten verletzen. Es gibt den Konstruktionsfehler, Fabrikationsfehler, Instruktionsfehler und den Produktbeobachtungsfehler. Besonderheit 2: Beim Verschulden kommt es zu einer Beweislastumkehr. Der Produzent muss beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft.
Mach Schluss mit Lernchaos – und geh mit einem sicheren Gefühl in die Klausur
Wenn Dir dieser Artikel geholfen hat, dann stell Dir vor, wie viel entspannter Deine Vorbereitung wäre, wenn alle klausurrelevanten Inhalte bereits für Dich gefiltert, erklärt und strukturiert wären. Mit Legalexo lernst Du genau das, was wirklich geprüft wird. Damit Du nicht nur verstehst, sondern sicher anwendest und Punkte holst.
Jetzt anmelden