§ 32, § 34 und § 35 StGB im Überblick – Unterschiede einfach erklärt (Schema & Vergleich)
Aug 07, 2026Das erwartet Dich!
Einleitung
Wer im Strafrecht Klausuren löst, begegnet ihnen ständig zusammen: § 32 StGB, § 34 StGB und § 35 StGB.
Also:
- Notwehr
- rechtfertigender Notstand
- entschuldigender Notstand
Diese drei Normen werden oft direkt hintereinander geprüft, weil sie eng zusammenhängen. Genau deshalb ist es wichtig, ihre Unterschiede wirklich zu verstehen.
Die gute Nachricht: Wenn du einmal das Grundsystem verstanden hast, musst du fast nichts mehr auswendig lernen.
Die entscheidenden zwei Fragen
Wenn man § 32, § 34 und § 35 miteinander vergleicht, helfen vor allem zwei Fragen:
1. Wann greift welche Norm?
Also: Wie weit ist ihr Anwendungsbereich?
2. Wie weit darf ich dann gehen?
Also: Wie „schneidig“ darf ich handeln?
Mit diesen zwei Fragen kannst du die drei Normen sehr gut auseinanderhalten.
1. Wann greift welche Norm?
Hier geht es um die Frage, welche Art von Gefahr oder Angriff vorliegen muss.
§ 34 StGB: der weiteste Anwendungsbereich
Der rechtfertigende Notstand nach § 34 hat den größten Anwendungsbereich.
Er greift schon bei einer gegenwärtigen Gefahr für irgendein Rechtsgut und für irgendeine Person. Auch Allgemeinrechtsgüter und Dauergefahren können darunterfallen.
Heißt: § 34 passt auf ziemlich viele Notlagen.
§ 35 StGB: enger als § 34
Der entschuldigende Notstand nach § 35 ist schon enger.
Hier braucht es ebenfalls eine gegenwärtige Gefahr, aber nur für bestimmte Rechtsgüter und nur für einen bestimmten Personenkreis.
Der Anwendungsbereich ist also kleiner als bei § 34.
§ 32 StGB: der engste Anwendungsbereich
Am engsten ist die Notwehr nach § 32.
Hier reicht nicht einfach irgendeine Gefahr. Es braucht einen:
- gegenwärtigen
- rechtswidrigen
- Angriff
Außerdem schützt § 32 nur Individualrechtsgüter. Und eingegriffen werden darf nur in die Rechtsgüter des Angreifers.
Die Voraussetzungen sind also besonders streng.
Merksatz zur Lage
Die Weite des Anwendungsbereichs nimmt so ab:
§ 34 → § 35 → § 32
Oder einfacher gesagt:
- § 34 greift am häufigsten
- § 32 greift am seltensten
2. Wie weit darf ich gehen?
Jetzt kommt die zweite Frage: Wenn eine Norm greift: Wie stark darf ich dann reagieren?
Hier geht es um die sogenannte Schneidigkeit.
§ 32 StGB: am schneidigsten
Die Notwehr ist am weitesten in dem, was sie erlaubt.
Sie ist die schneidigste Reaktionsmöglichkeit. In extremen Fällen darf man sich sogar so verteidigen, dass der Angreifer stirbt.
Warum ist die Notwehr so weitgehend?
Weil sie auf zwei Grundgedanken beruht: dem Schutz des Angegriffenen und der Bewährung des Rechts gegenüber dem Unrecht.
Deshalb gilt: Wenn Notwehr vorliegt, darf man sehr weit gehen.
§ 35 StGB: in der Mitte
Der entschuldigende Notstand liegt in der Mitte.
Auch hier muss die Handlung erforderlich sein. Aber es gibt Einschränkungen, etwa den Vorrang staatlicher Hilfe und mögliche Ausweichmöglichkeiten.
Entscheidend ist außerdem die Zumutbarkeit.
Man darf also schon einiges tun, aber nicht so viel wie bei der Notwehr.
§ 34 StGB: am wenigsten schneidig
Der rechtfertigende Notstand ist am wenigsten schneidig.
Zwar wird auch hier mit der Erforderlichkeit gearbeitet. Anders als bei § 35 braucht man aber zusätzlich eine Interessenabwägung.
Und genau das schränkt § 34 stark ein.
Das wichtigste Beispiel:
Leben gegen Leben kann man nicht abwägen.
Deshalb rechtfertigt § 34 zwar viele Situationen, aber oft eben keine besonders harten Eingriffe.
Merksatz zur Schneidigkeit
Die Schneidigkeit nimmt so zu:
§ 34 → § 35 → § 32
Oder einfacher:
- § 34 erlaubt am wenigsten
- § 32 erlaubt am meisten
Das Grundsystem auf einen Blick
Merke: Je häufiger eine Norm greift, desto weniger darf sie erlauben.
Und umgekehrt:
Je seltener sie greift, desto krasser ist die Ausnahmesituation und desto weiter darf die Handlung gehen.
Genau deshalb ist die Notwehr so eng, aber so stark.
Und genau deshalb ist § 34 so weit, aber so zurückhaltend.
FAQ zu § 32, § 34 und § 35 StGB
In welcher Reihenfolge prüft man die Normen?
§ 32 → § 34 → § 35.
Welche Norm greift am häufigsten?
§ 34 StGB.
Welche Norm erlaubt die stärksten Eingriffe?
§ 32 StGB (Notwehr).
Was ist der Unterschied zwischen § 34 und § 35?
§ 34 rechtfertigt, § 35 entschuldigt.
Warum ist Rechtfertigung wichtiger?
Weil keine rechtswidrige Tat vorliegt.
Kann man bei § 34 töten?
Nein, Leben gegen Leben ist nicht abwägbar.
Wann ist § 32 einschlägig?
Bei einem gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff.
Was ist der wichtigste Klausurpunkt?
Die Abgrenzung der Normen und ihre Folgen.
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