Schwerpunkt vor oder nach dem Examen? Vor- und Nachteile
Jun 01, 2026Eine Frage, die viele Jurastudierende im Hauptstudium beschäftigt: Soll ich den Schwerpunkt vor oder nach dem Examen machen? Genauer gesagt: Lege ich den staatlichen Pflichtfachteil vor oder nach dem universitären Schwerpunktbereich ab?
Vorweg der wichtigste Hinweis: Schau zuerst, ob du überhaupt eine Wahl hast. Manche Bundesländer und einzelne Prüfungsämter geben eine Reihenfolge vor. Wenn das in deinem Fall so ist, erledigt sich die Frage. Wenn du wählen kannst, ist es am Ende Geschmackssache.
Möglichkeit 1: Staatlicher Teil zuerst
Vorteile:
- Du bist noch frisch im Pflichtfachstoff aus dem Hauptstudium und kommst schneller in die Examensvorbereitung rein.
- Du kannst den Freischuss nutzen, sofern er in deinem Bundesland noch vorgesehen ist.
- Nach dem schriftlichen Examen kannst du dich ganz auf den Schwerpunkt konzentrieren, ohne dass Pflichtfachstoff parallel mitläuft.
Nachteil:
- Nach dem staatlichen Teil musst du dich noch einmal neu aufraffen, um den Schwerpunkt durchzuziehen. Das ist nach Monaten intensivster Vorbereitung mental anstrengend, und nicht jeder bringt die Motivation dafür auf.

Möglichkeit 2: Schwerpunkt zuerst
Vorteil:
- Du bist nach dem staatlichen Examen wirklich mit allem fertig. Kein universitärer Teil mehr, kein zweites Hochfahren nach Monaten der Erschöpfung.
Nachteile:
- Du brauchst typischerweise ein Jahr für den Schwerpunkt und bist in dieser Zeit aus dem Pflichtfachstoff raus. Vieles, was du im Hauptstudium aufgebaut hast, verblasst.
- Du startest die Examensvorbereitung gefühlt eher bei null und musst Wissen, das einmal da war, wieder reaktivieren.
Der entscheidende Trick: die Wahl des Schwerpunkts
Wenn du den Schwerpunkt vor dem staatlichen Teil ablegen willst, solltest du bei der Schwerpunktwahl unbedingt darauf achten, einen Bereich zu nehmen, der viel Pflichtfachstoff abdeckt. Also keinen exotischen Schwerpunkt, sondern einen, der dich in den großen Rechtsgebieten weiter trainiert. Dann wirkt der Schwerpunkt nicht wie eine Pause vom Pflichtstoff, sondern wie eine vertiefende Wiederholung. So fällt auch der Übergang in die Examensvorbereitung deutlich leichter.
Willst du dagegen einen exotischen Schwerpunkt wählen, dann ist es schlauer, den Schwerpunkt nach dem staatlichen Teil zu machen. So vermeidest du, dass du die Examensvorbereitung startest und aus dem examensrelevanten Stoff komplett raus bist.
Was bei der Schwerpunktwahl keine Rolle spielen sollte
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Spätere Jobaussichten sind kein sinnvolles Kriterium für die Schwerpunktwahl. Kanzleien interessieren sich nicht ernsthaft dafür, welchen Schwerpunkt du gewählt hast.
Auch das Argument „ich nehme den Schwerpunkt, in dem die Noten am besten sind" ist tückisch. Die Schwerpunktnote wird von vielen Arbeitgebern später aus der Gesamtnote des ersten Staatsexamens rausgerechnet und nur auf den staatlichen Teil geschaut.
Wie entscheidest du jetzt?
Wenn du dich in den nächsten Tagen entscheiden musst, hilft folgende Faustregel:
- Du bist nach intensiven Phasen schwer wieder zu motivieren? Mache den Schwerpunkt vor dem Examen, dann bist du am Ende durch.
- Du willst möglichst schnell zum Examen und den Freischuss nutzen? Mache den staatlichen Teil zuerst.
- Dein Wunsch-Schwerpunkt deckt viel Pflichtfachstoff ab? Spricht für Schwerpunkt zuerst.
- Dein Wunsch-Schwerpunkt ist exotisch? Spricht für Schwerpunkt nach dem staatlichen Teil.
Eines gilt unabhängig von der Reihenfolge: Schwerpunkt und Examensvorbereitung parallel funktioniert nicht.
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