Unechte GoA einfach erklärt: Irrtümliche und angemaßte GoA (§ 687 BGB), Schema & Unterschiede

goa Apr 20, 2026
 

Das erwartet Dich!

            

Einleitung

Du kennst jetzt die echte berechtigte und die echte unberechtigte GoA. Damit fehlt nur noch die unechte GoA. Sie klingt zunächst kompliziert, ist aber mit der richtigen Struktur gut zu verstehen. In diesem Beitrag zeigen wir Dir die wichtigsten Probleme, das Prüfungsschema und die typischen Klausurschwerpunkte, damit Du die unechte GoA sicher einordnen und in der Klausur sauber prüfen kannst.

            

Was ist die unechte GoA? 

Der entscheidende Unterschied zwischen echter und unechter GoA liegt im Fremdgeschäftsführungswillen (FGW). 

  • Liegt ein FGW vor → echte GoA 
  • Fehlt der FGW → unechte GoA 

Bei der unechten GoA führt der Geschäftsführer (GF) also ein fremdes Geschäft, aber er will es eigentlich als eigenes führen. Deshalb spricht man auch von Eigengeschäftsführung. 

Rechtsgrundlage: § 687 BGB

            

Systematik § 687: Unechte GoA  

Die unechte GoA gibt es in zwei Varianten: 

  1. Irrtümliche GoA:  § 687 Abs. 1 BGB 
    • Der GF weiß nicht, dass es ein fremdes Geschäft ist. 
  2. Angemaßte GoA: § 687 Abs. 2 BGB 
    • Der GF weiß, dass es ein fremdes Geschäft ist – handelt aber trotzdem. 

            

Die irrtümliche GoA (§ 687 Abs. 1 BGB) 

Eine irrtümliche GoA liegt vor, wenn jemand ein fremdes Geschäft führt, in der irrigen Annahme, es sei sein eigenes. 

Der Geschäftsführer denkt irrtümlich, dass es sich um sein Geschäft handelt, rechtlich ist es aber ein fremdes Geschäft.


Rechtsfolge:  

Die Vorschriften der §§ 677–686 BGB finden nach § 687 Abs. 1 keine Anwendung. 

Das bedeutet: Keine Ansprüche aus GoA. 

Die GoA wird vollständig gesperrt.


Beispiel (irrtümliche GoA) 

B stiehlt ein Auto von A und verkauft es an den gutgläubigen C. 
C lässt notwendige Reparaturen für 2.000 € durchführen. 
Eigentümer bleibt rechtlich A. 

C denkt, er repariert sein eigenes Auto, aber tatsächlich repariert er ein fremdes. 

= Irrtümliche GoA.

Frage: Kann C 2.000 € nach GoA verlangen? 

Antwort: Nein. § 687 Abs. 1 BGB sperrt die GoA vollständig. 

Solche Fälle werden über das Eigentümer-Besitzer-Verhältnis (EBV) oder Bereicherungsrecht gelöst, aber nicht über die GoA.

            

Die angemaßte GoA (§ 687 Abs. 2 BGB) 

Eine angemaßte GoA liegt vor, wenn jemand ein fremdes Geschäft als eigenes behandelt, obwohl er weiß, dass er nicht berechtigt ist.

Der Geschäftsführer weiß also: „Das ist nicht mein Geschäft, aber ich mache es trotzdem.“


Rechtsfolge: Verweis auf bekannte Ansprüche 

§ 687 Abs. 2 BGB verweist auf mehrere Vorschriften, die Du bereits kennst: 

Der Geschäftsherr kann Ansprüche geltend machen aus: 

  • §§ 677 ff. BGB 
  • insbesondere § 678 BGB (Schadensersatz) 
  • §§ 681 S. 2, 667 BGB (Herausgabe des Erlangten) 
  • §§ 687 II, 678 (Übernahmeverschulden) 

Macht er diese geltend, muss er im Gegenzug nach 

  • § 684 S. 1 BGB i.V.m. § 818 BGB leisten. 

Beispiel: Angemaßte GoA

A fährt in den Urlaub und gibt B seine Schlüssel zum Blumengießen. 
B vermietet die Wohnung über Airbnb und erzielt 500 € Miete. 
Inseratskosten: 50 €. 

Ansprüche des A 

  1. Herausgabe der 500 € 
    → §§ 687 Abs. 2, 681 S. 2, 667 BGB 
  2. Schadensersatz (§ 678 BGB) 
    Wenn durch die Vermietung Schäden entstehen. 

Ansprüche des B 

Wenn A die 500 € verlangt, muss er im Gegenzug nach 
§§ 687 Abs. 2, 684 S. 1, 818 BGB das herausgeben, was er erlangt hat. 

Hier: Ersatz der 50 € Inseratskosten.

            

Unterschied: Irrtümliche vs. angemaßte GoA 

Merkmal 

Irrtümliche GoA 

Angemaßte GoA 

Kenntnis der Fremdheit 

Nein 

Ja 

Norm 

§ 687 Abs. 1 BGB 

§ 687 Abs. 2 BGB 

GoA anwendbar? 

Nein 

Ja (über Verweisungen) 

Typischer Klausurpunkt 

EBV 

§ 678 BGB 

Merke dir also: 

  • eine Kenntnis der Fremdheit → § 687 Abs. 1 BGB → GoA-Vorschriften (§§ 677–686 BGB) nicht anwendbar. 
  • Kenntnis der Fremdheit → § 687 Abs. 2 BGB → Ansprüche nach den verwiesenen GoA-Vorschriften (insb. §§ 678, 681 S. 2, 667 BGB) 

            

Typische Klausurprobleme 

In Prüfungen solltest Du besonders achten auf: 

  • Saubere Prüfung des Fremdgeschäftsführungswillens 
  • Abgrenzung zwischen echter und unechter GoA 
  • § 687 Abs. 1 als Sperrnorm 
  • § 678 BGB bei angemaßter GoA 
  • Herausgabeansprüche nach §§ 681 S. 2, 667 BGB 

            

Zusammenfassung in 5 Sätzen 

  1. Die unechte GoA liegt vor, wenn der Geschäftsführer ein fremdes Geschäft als eigenes führt. 
  2. Fehlt die Kenntnis der Fremdheit, greift § 687 Abs. 1 BGB – die GoA ist gesperrt. 
  3. Bei Kenntnis liegt eine angemaßte GoA nach § 687 Abs. 2 BGB vor. 
  4. Der Geschäftsherr kann dann insbesondere Herausgabe (§§ 681 S. 2, 667 BGB) und Schadensersatz (§ 678 BGB) verlangen. 
  5. Die Abgrenzung erfolgt allein über den Fremdgeschäftsführungswillen. 

            

FAQ zur unechten GoA 

Was ist die unechte GoA?

Eine Geschäftsführung ohne Fremdgeschäftsführungswillen – also Eigengeschäftsführung.

Wie prüfst Du die unechte GoA im Schema?

Zuerst GoA prüfen, dann fehlenden FGW feststellen und § 687 BGB anwenden.

Wann liegt eine irrtümliche GoA vor?

Wenn der Geschäftsführer glaubt, ein eigenes Geschäft zu führen (§ 687 Abs. 1 BGB).

Wann liegt eine angemaßte GoA vor?

Wenn er weiß, dass es ein fremdes Geschäft ist (§ 687 Abs. 2 BGB).

Welche Ansprüche gibt es bei der angemaßten GoA?

Herausgabe des Erlangten (§§ 681 S. 2, 667 BGB) und Schadensersatz (§ 678 BGB).

Was regelt der § 678 BGB?

Er regelt den Schadensersatz wegen Übernahmeverschuldens.

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