Examensklausuren richtig nachbereiten: Wie Du mit jeder Klausur besser wirst

examensvorbereitung Jul 03, 2026

In der Examensvorbereitung gibt es einen Satz, den fast jeder schon einmal gehört hat: „Du musst viele Klausuren schreiben." Stimmt. Aber er ist nur die halbe Wahrheit. Wichtiger als die Anzahl der Klausuren ist aber, dass Du die Klausuren richtig nachbereitest. In diesem Blog-Beitrag zeigen wir Dir, wie es richtig geht.

 

Drei Schritte der Klausurnachbereitung

Eine gute Klausurnachbereitung besteht aus drei Schritten: Erstens vergleichst Du Deine eigene Lösung mit der ausformulierten Musterlösung im Gutachtenstil. Zweitens identifizierst Du nicht nur einzelne Fehler, sondern wiederkehrende Muster (übersehene Anspruchsgrundlagen, falsch gesetzte Schwerpunkte, schwache Argumentation). Drittens dokumentierst Du diese Muster über mehrere Klausuren hinweg in einem Klausurtagebuch, damit Du Deine eigenen Schwächen früh erkennst und gezielt daran arbeiten kannst. 

 

Voraussetzung 1: Klausuren auf echtem Examensniveau

Bevor Du überhaupt anfängst, eine Klausur nachzubereiten, brauchst Du eine Klausur, die das wert ist. Damit ist gemeint: Klausuren auf tatsächlichem Examensniveau, mit einer Musterlösung, die im echten Gutachtenstil ausformuliert ist. Klausuren aus Lehrbüchern oder Fallsammlungen für das Hauptstudium sind dafür meistens zu kurz, zu einfach gestrickt und mit einer Lösung versehen, die eher Lehrbuchprosa ist als eine in der Examensklausur funktionierende Argumentation.

Tipp: Klausuren auf Examensniveau findest Du im Examenskurs von Legalexo

 

Voraussetzung 2: Ernsthafte Bearbeitung

Klausurnachbereitung funktioniert nur, wenn Du in die Bearbeitung selbst genug Zeit investiert hast. Wenn Du eine Klausur in 30 Minuten überfliegst, gibt es danach kaum etwas Sinnvolles nachzubereiten.

Es gibt zwei sinnvolle Bearbeitungsformen:

  • Skizzieren: Mindestens zwei Stunden Zeit für eine vollständige Lösungsskizze. 
  • Ausformulieren: Volle fünf Stunden wie im echten Examen, mit allen Hilfsmitteln und ohne Pausen.

 

Variante 1: Nachbereitung einer skizzierten Klausur

Wenn Du eine Klausur nur skizziert hast (also keine Korrektur durch eine andere Person bekommst), erfolgt die gesamte Auswertung im Abgleich mit der Musterlösung. Geh dabei systematisch vor:

Schritt 1: Lösungsskizze mit der Musterlösung abgleichen

Leg Deine Skizze neben die Musterlösung und gehe sie Punkt für Punkt durch. Welche Anspruchsgrundlagen oder Delikte hast Du geprüft, welche fehlen? Wo hat die Musterlösung einen Schwerpunkt gesetzt, den Du übersehen hast? An welchen Stellen hast Du anders argumentiert?

Schritt 2: Übersehene Ansprüche oder Probleme identifizieren

Für jeden Punkt, den Du in der Musterlösung findest und in Deiner Skizze nicht hattest, frag Dich zwei Dinge:

  1. Wie hätte ich das finden können? Welcher Hinweis im Sachverhalt hätte mich auf diese Anspruchsgrundlage, dieses Delikt oder diesen Streitstand bringen müssen?
  2. Warum habe ich es übersehen? War es ein reines Wissensproblem (ich kannte die Norm nicht) oder ein Methodikproblem (ich kannte sie, habe sie aber nicht in den Sachverhalt eingeordnet)?

Schritt 3: Muster erkennen statt Einzelprobleme auswendig lernen

Ganz wichtig: Lerne nicht das einzelne Problem, sondern das Muster dahinter. Abgesehen von den Standard-Problemen kommt im Examen kein Schwerpunkt doppelt dran. Es nutzt Dir also nix die Lösung eines Sonder-Problems auswendig zu lernen. Wichtiger ist, dass Du wiederkehren Muster analysierst.

Beispiel Zivilrecht: Wenn die Fallfrage auf Schadensersatz zielt, gibt es ein Standard-Set an Anspruchsgrundlagen, das Du prüfen musst. Wenn Du dieses Muster einmal erkannt hast, wirst du in der nächsten Klausur direkt die richtigen Anspruchsgrundlagen finden. 

Schritt 4: Schwerpunkte erkennen lernen

In jeder Examensklausur gibt es Schwerpunkte, also Probleme, an denen die meiste Bearbeitungstiefe gefragt ist. 

Wenn Du die Musterlösung vergleichst, schau Dir an, wo der Schwerpunkt lag. Geh dann zurück in den Sachverhalt und frag Dich: Welche Hinweise hat der Sachverhalt gegeben, dass genau hier der Schwerpunkt liegt? 

Je mehr Klausuren Du auf diese Weise auswertest, desto schneller erkennst Du die Probleme selbst in unbekannten Klausuren.

Schritt 5: Argumentationsmuster aus der Musterlösung extrahieren

Zum Schluss solltest Du dir die Schwerpunkte ganz genau anschauen. Wie wurde die Argumentation aufgebaut und strukturiert? Welche Argumente waren die stärksten? vergleiche die Argumente mit deinen Argumenten und überleg Dir, wie du beim nächsten Mal auch auf diese Argumente kommst. 

Variante 2: Nachbereitung einer Klausur mit Feedback

Wenn Du eine Klausur vollständig ausformuliert geschrieben und Feedback von einem Korrektor bekommen hast, ist das im Idealfall noch deutlich wertvoller als die reine Selbstauswertung. Die Qualität hängt allerdings stark von der Art des Feedbacks ab. Wenn Du nur ein kurzes Votum mit ein paar hingeschmierten Randbemerkungen bekommen hast bringt das wenig. Besonders viel bringen allerdings Video-Korrekturen wie im Examenskurs von Legalexo.

Erstens: Abgleich mit der Musterlösung

Genauso wie in Variante 1 fängst Du auch hier mit dem Vergleich zur Musterlösung an. Welche Probleme hast Du übersehen, welche Schwerpunkte nicht erkannt, welche Argumente fehlten? 

Zweitens: Feedback systematisch auswerten

Geh die Korrektur Punkt für Punkt durch. Was hat dem Korrektor an Deiner Klausur gefallen? Wo lagen die konkreten Schwachstellen? Wichtig dabei: Es geht nicht um die Note, sondern darum, was Du aus dieser Klausur lernst und was du beim nächsten Mal besser machen kannst.

Je individueller und ausführlicher die Korrektur ist, desto mehr kannst Du daraus mitnehmen.  Genau deshalb gibt es übrigens im Examenskurs von Legalexo eine persönliche Videokorrektur: ein 15- bis 30-minütiges Video, in dem Dir Seite für Seite gezeigt wird, wo Punkte verloren gegangen sind und was Du beim nächsten Mal anders machen kannst. 

Drittens: Führe ein Klausurtagebuch

Wer mehrere Klausuren schreibt, sollte ein Klausurtagebuch führen. Das kann eine Notion-Seite, ein Word-Dokument oder ein klassisches Heft sein. Pro Klausur notierst Du Dir: Datum, Rechtsgebiet, Note, Schwerpunkt der Klausur, Deine konkreten Fehler, Anmerkungen des Korrektors.

Nach fünf bis zehn Klausuren erkennst Du in Deinem Tagebuch Muster in Deinen eigenen Schwächen. Vielleicht ist es immer wieder die Schwerpunktsetzung, die schiefläuft. Vielleicht zitierst Du Normen falsch. Vielleicht ist Deine Subsumtion zu knapp. Sobald Du das Muster erkannt hast, kannst Du gezielt daran arbeiten, statt jedes Mal mit dem Gefühl rauszugehen, dass Du irgendwas anders machen müsstest, ohne genau zu wissen, was.

 

Die häufigsten Fehler bei der Nachbereitung von Klausuren

Zum Abschluss die typischen Stolperfallen, in die viele Studierende immer wieder tappen.

Nur die Note anschauen

Die Note ist total egal. Ob Du 2 Punkte oder 18 Punkte in der Probeklausur geschrieben hast, ist irrelevant. Das einzige was zählt, ist Dein Lernfortschritt. Schau Dir an, was gut lief, was schlecht lief und was du das nächste Mal besser machen kannst.

Einzelprobleme auswendig lernen statt Muster erkennen

Wenn Du die Sonderprobleme der Klausur auswendig lernst, bringt Dir das wenig. Denn dieses Problem wird so kaum nochmal drankommen. Es geht um Mustererkennung, nicht um das Auswendiglernen von Detailproblemen.

Keine Zeit für die Nachbereitung einplanen

Eine ordentliche Nachbereitung dauert mindestens eine Stunde. Je mehr Zeit und Mühe du in die Nachbereitung investierst, desto höher ist der Lerneffekt. Ein großer Fehler wäre es, die Klausur einfach nur zu bearbeiten und dann wegzulegen. 

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